Fluchtursachen – eine fabelhafte Geschichte

Am 27.2.2017 berichtete das Göttinger Tageblatt Online über eine „Überfallartige Abholzung“ am Habichtsweg. Hierbei handelte es sich um das hier im Blog mehrfach erwähnte Waldstück, das für die Errichtung einer Kinderkrippe weichen musste.

Inzwischen sind die Baumaßnahmen in vollem Gange. Wenn ich auf meinen täglichen Spaziergängen mit meinem Hund Jolka am Bauzaun vorbei laufe, kommen mir immer wieder die Bilder des Kahlschlags in den Kopf. Die räumliche Nähe zum ehemaligen IWF, in dem zur Zeit (noch) geflüchtete Menschen untergebracht sind, führt mir eine traurige Parallele vor Augen:

Im vor ein paar Tagen zu Ende gegangenen Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 hörte man von allen Seiten die Forderung „Fluchtursachen bekämpfen“. Diese Fluchtursachen sind für uns in der Regel abstrakt und weit weg. Aber dieses abgeholzte Waldstück ist ganz nah und könnte als Metapher dienen, sollten die Krippen-Kinder und ihre naturverbundenen Eltern einmal wissen wollen, was Ursachen und Folgen von Flucht sind. Man könnte es ihnen z.B. ganz einfach und kindgerecht so erklären:

Es war einmal ein kleiner Wald mit hohen Bäumen und Sträuchern mitten in einer großen Stadt. Dieser Wald war das Zuhause vieler verschiedener Tiere. Eines Tages entschlossen sich die Bestimmer dieser Stadt, den kleinen Wald zu verkaufen, damit jemand eine Kinderkrippe auf dem Gelände bauen konnte. Nachdem es also beschlossen war, rückten auch schon einige starke Männer mit noch stärkeren Maschinen an. Als die Tiere ahnten, was nun geschehen würde, flüchteten sie. Die Bäume und Sträucher konnten ihnen nicht folgen, denn sie steckten in der Erde fest. Die Männer machten ruck zuck das ganze Waldstück platt. Einen einzigen Baum ließen sie stehen. Ihr wisst schon Kinder, das gehört sich so. Man nimmt ja auch nicht das letzte Bonbon vom Teller. Das bleibt aus Anstand liegen. Die flüchtenden Tiere wussten kaum wohin. Überall wo sie hinkamen, waren schon andere Tiere, die dort seit langem lebten und von denen sich die meisten über die Ankunft von neuen Mitbewohnern gar nicht freuten: „Das ist unser Lebensraum! Den wollen wir nicht mit euch teilen, denn sonst haben wir nicht mehr genug Platz und zu Essen und zu Trinken für uns und unsere Kinder. Verschwindet! Geht dahin wo ihr hergekommen seid!“ Und keiner von ihnen dachte auch nur einen Moment darüber nach, dass es ja das Wäldchen, aus dem die flüchtenden Tiere kamen, gar nicht mehr gab.

Und wie enden die meisten Märchen? „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann flüchten sie noch heute …“ Richtig!

 

 

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