Göttinger Bündnis für (bezahlbaren) Wohnraum

Huch. Da drängte gestern ein Beitrag ans Licht, der noch gar nicht reif war. Deshalb jetzt noch einmal in ganzen Sätzen:

Vor einiger Zeit hatte die SPD in Göttingen eine gute Idee: Grundstücke günstig an Investoren verkaufen mit der Auflage 50 % Sozialwohnungsbau zu schaffen. Das Göttinger Bündnis für bezahlbaren Wohnraum war geboren. Die Idee war aber nur in der Theorie gut. Die Investoren haben nämlich schnell klar gemacht, dass es das so nicht geben kann. Am Ende standen 15 % Sozialwohnungsbau und das auch noch auf wenige Jahre begrenzt.

Auch die hier im Blog mehrfach erwähnte EBR gehört diesem Göttinger Bündnis an, ja sie vertrat die Stadt Göttingen sogar zusammen mit der GWG (Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung) auf Europas größter Immobilienmesse in München, der EXPO Real 2017. Eben diese EBR, die in Göttingen mit verschiedenen Großbaustellen aktiv ist, hat eines der wenigen letzten Baugrund-Sahnestücke im Göttinger Ostviertel erworben: das ehemalige IWF-Gelände. Dort soll viel neuer Wohnraum geschaffen werden. Und das geht am besten mit Geschosswohnungsbau mit o.g. Anteil an zeitlich begrenztem Sozialwohnungsbau. Noch hat die Stadt das letzte O.K. zu dem Vorhaben nicht gegeben. Aber auf ein Umschwenken der Stadt-Väter und -Mütter ist nicht zu hoffen.

Irgendwann sind die Sahnestücke alle verkauft und dann geht es den Landschaftsschutzgebieten an den Kragen. Das Gelände der Zimmermannstraße  (dort wo sie auf den Nikolausbergerweg trifft) ist ein aktuelles Beispiel dafür. Wenn das Protokoll der gestrigen Bauausschuss-Sitzung zu diesem Thema veröffentlicht ist, mehr dazu.

Ich frage mich, wo bei derartigem Vorgehen einer Stadtverwaltung die analytische Weitsicht bleibt.  Wo soll das hinführen? Riesige neue Flächen versiegeln, damit man 15 % Sozialwohnungsbau schafft? Und wenn die zeitliche Preisbindung für die Sozialmieten abgelaufen ist, was ist dann? Dann singt das Göttinger Bündnis für bezahlbaren Wohnraum: „Ja, ja, ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt! Wir steigern das Göttinger Wohnungsangebot!“

Und wenn der letzte Quadratmeter Göttinger Boden versiegelt ist, kein Vogel mehr singt und kein Baum mehr grünt, werden wir merken, dass Beton vielleicht zum Wohnen, aber nicht zum Leben reicht.

 

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