Böses Erwachen

Gestern habe ich wieder einmal eine öffentliche Bauausschusssitzung  im Ratssaal des Göttinger Rathauses besucht. Auf der Tagesordnung stand der Bebauungsplan Göttingen Nr. 242 „Südlich Nonnenstieg“ mit örtlicher Bauvorschrift über Gestaltung (ÖBV) – Bescheidung der Anregungen – Satzungsbeschluss.

Diese Sitzung hat mich wie immer sehr aufgewühlt. Selbst nachts ging die Verarbeitung im Traum weiter. Ich träumte, ich sei eine Journalistin vom Göttinger Tageblatt, die kurz vor der Sitzung ein Ausschussmitglied interviewt:

U.B.: Herr H., Sie  vertreten die Grüne Ratsfraktion hier im Bauausschuss. Was halten Sie vom Bebauungsplan Göttingen Nr. 242 , der den Bauauschuss nun schon seit einigen Jahren beschäftigt?

Herr H.: Die Bebauung des ehemaligen IWF-Geländes liegt mir und meiner Fraktion sehr am Herzen. Das Gelände verläuft parallel zum Habichtsweg, einem der schönsten grünen Wege in Göttingen. Die besondere Topografie des Geländes und der alte Baumbestand machen das Grundstück zu etwas ganz Besonderem. Deshalb haben wir uns ja auch viel Mühe gegeben, einen geeigneten Investor mit einem überzeugenden Konzept für die kreative Entwicklung  eines neuen Lebensquartiers im Ostviertel zu finden.

U.B.: Wurde die Nachbarschaft in die Planung einbezogen?

Herr H.: So ist es. Die Öffentlichkeit wurde schon frühzeitig beteiligt. Erfreulicherweise haben sich die Anwohner zu einer Bürgerinitiative zusammengefunden und ihre Bedenken, aber auch viele gute Ideen in den Planungsprozess eingebracht. Ich bewundere das Engagement der Anwohner, insbesondere im Hinblick auf die Erhaltung des ökologischen Werts des Geländes, was der Grünen Ratsfraktion in der Auseinandersetzung über die Bebauungspläne sehr den Rücken gestärkt hat. Auf diese Weise konnten wir bei der letzten Version des Bebauungsplans essentielle grüne Positionen durchsetzen.

U.B.: Also wieder einmal ein gutes Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit von Bürgern, Verwaltung und Politik?

Herr H.: Unbedingt! Die Grüne Ratsfraktion in Göttingen setzt sich mit aller Kraft für innerstädtisches Grün ein. Grünzüge durch die Stadt und lebenswerte Wohnviertel mit grünen Treffpunkten gehören zu unseren wichtigsten Zielen. Wer, wenn nicht die Grünen, hat die Aufgabe, bei allen Unternehmungen in der Stadt die Erhaltung einer gesunden Umwelt im Auge zu behalten?

U.B.: Sie erwähnten den Habichtsweg als einen der schönsten grünen Wege in Göttingen. Was gedenken Sie zu unternehmen, dass dieser Grünzug nicht durch die verschiedenen aktuellen Bauprojekte in unmittelbarer Nähe und durch die zukünftige Großbaustelle auf dem IWF-Gelände Schaden nimmt?

Herr H.: Die Schaffung von neuem Wohnraum ist zweifellos wichtig, aber immer mit Rücksicht auf die Natur. Den Habichtsweg als Naherholungsgebiet, sicherer Schul- und Radweg haben die Grünen ganz oben auf dem Zettel. Er ist ein unverzichtbarer Bestandteil dieses Stadtteils und er wird sogar an Bedeutung gewinnen, wenn durch die zukünftigen Großbaustellen IWF, Nikoweg und Zimmermannstraße die Einwohnerzahl stark zunimmt.

U.B.: Vielen Dank Herr H., dass Sie sich trotz hoher Arbeitsbelastung die Zeit für dieses Interview genommen haben und weiterhin viel Erfolg im Bauausschuss und den vielen anderen Ausschüssen und Gremien, in denen Sie zum Wohle Göttingens unermüdlich tätig sind.

War das ein Schock beim Aufwachen, als ich realisierte, dass das nur ein Traum war! Denn die Realität im Bauausschuss sah leider ganz anders aus.

 

 

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