Unerwünschter Sonnenschein

Der Sommer ist in Sicht. Er kündigt sich mit hohen Temperaturen und viel Sonnenschein deutlich an. Wohl dem, der bei so einer Wetterlage von einer grünen Umgebung profitiert, die Schatten und Kühlung spendet.

Die neue Kita am Habichtsweg  bekommt z.Zt. anscheinend zu viel Sonne ab, da schon am frühen Morgen alle Jalousien geschlossen sind. Wäre es da nicht schlauer gewesen, statt der 4 Esskastanien auf der gegenüberliegenden Seite den Grünstreifen vor der Kita wieder mit schnell wachsenden Büschen zu bepflanzen?

Damit könnte man sich vielleicht die Jalousien sparen, bessere Luft für alle bekommen und den Grünzug Habichtsweg wieder schließen.

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Pfosten auf verlorenem Posten

Absperrpfosten haben normalerweise die Aufgabe, Unbefugte an der Durchfahrt zu hindern. Dort, wo der Pfingstanger auf den Habichtsweg mündet, steht auch so ein Absperrpfosten. Leider kann er seiner Funktion nicht nachkommen, da rechts und links von ihm so viel Platz für eine ungehinderte Durchfahrt ist, dass jeder, der will, auch ohne Umlegen des Pfostens selbst mit großen Fahrzeugen rechts oder links vom Pfosten passieren kann. Aus diesem Grund wurden dem Pfosten in früherer Zeit 2 dicke Findlinge zur Seite gestellt. Aber jetzt stehen diese im Abseits (s. rote Kreise) und der Pfosten damit auf verlorenem Posten.

Eigentum verpflichtet – aber wozu?

§ 14 des Grundgesetzes neu interpretiert:

Eigentum verpflichtet, ein Grundstück möglichst flächendeckend und bis an die Grenzen des Erlaubten in die Höhe zu bebauen.

Auf Schönheit, Ästhetik, Umweltverträglichkeit kommt es dabei nicht an. Nachverdichtung auf Teufel komm‘ raus lautet die Devise.

Ein gutes Beispiel für diese Neuinterpretation ist der Neubau am Habichtsweg/Goedelerweg im Ostviertel. Wo bis August 2016 noch ein Einfamilienhaus mit viel Grün drumherum stand, steht jetzt ein Wohngebäude mit 7 Wohnungen, das im wahrsten Sinne des Wortes überall aneckt – und das nicht nur optisch. Das Grundstück wurde so großflächig und hoch wie möglich bebaut. Heute wurde der letzte baumhohe Strauch des Grundstücks auch noch abgesägt. Eine einzelne alte Birke ganz am Rand des Grundstücks zum Habichtsweg hin hält die (botanische) Stellung für das ganze Grundstück.

Aber was soll’s? Es ist doch noch genug Grün auf den umliegenden Grundstücken vorhanden. Das muss reichen.

Man stelle sich vor, jeder Grundstückseigentümer würde so maximieren. Dann hätten wir früher oder später überall triste Betonwüsten ohne Grün, ohne Tiere und ohne gesunde Luft zum Atmen. Dann könnte man sogar noch die Terrassen und Balkone einsparen, denn wer hat schon Lust, sich in so einer Umgebung im Freien aufzuhalten? Da steigt man doch lieber ins Auto und fährt zum nächsten Naherholungsgebiet. Und irgendwann fängt man auch dort an zu roden und zu versiegeln – für dringend benötigte bezahlbare Parkplätze für die Autos der vielen Erholungsuchenden.

Ich frage mich wie es sein kann, dass man für so einen Wohnblock wie dem Goerdeler Weg 2a in diesem Wohnumfeld überhaupt eine Baugenehmigung bekommt. Der „dringend benötigte bezahlbare Wohnraum“ kann hier nicht als Argument herhalten. Diese Wohnungen sind nur für ganz wenige Leute bezahlbar, und selbst für diese Leute anscheinend nicht attraktiv genug, denn trotz begehrter Lage der Immobilie sind laut Preisliste auf der Webseite von Wucherpfennig & Marggraff immer noch nicht alle Wohnungen verkauft. Aber der Bau ist ja auch immer noch nicht fertig.

Vielleicht hat der Bauherr ja eine schicke Fassaden- und Dachbegrünung geplant. Das riesige Flachdach und die hohen Hauswände wäre wie geschaffen dafür. Und vielleicht werden die zukünftigen Besitzer des Penthauses auf der riesigen Dachterrasse (89.93 Quadratmeter) einen Garten anlegen, der der Natur etwas von dem zurückgibt, was ihr genommen wurde. Vielleicht, vielleicht. Es wäre so vieles möglich, wenn man nur wollte oder wenn die Stadt entsprechende Auflagen machen würde und somit ein Stückchen Ausgleich für die zunehmende Bodenversiegelung schaffen würde.

Und sollte jemand Anregungen für solche Maßnahmen suchen, empfehle ich folgendes Buch: Conrad Amber. 2017. Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt. Kosmos Verlag.

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Offener Brief an die Grüne Ratsfraktion der Stadt Göttingen

Liebe Grüne Ratsfraktion,

angesichts der bevorstehenden Wahl zum Europäischen Parlament stelle ich mir die Frage, ob ich die grüne Kandidatin wählen soll oder eine andere. Wonach kann man so etwas entscheiden? Brüssel ist weit weg. Wenn ich mich an der Lebenswirklichkeit in meinem unmittelbaren Wohnumfeld orientiere, kommen mir Zweifel, ob die Grünen wirklich so grün sind wie sie es von sich behaupten. Schaue ich auf den Internet-Auftritt der Grünen/Stadtrat, finde ich zum Jahreswechsel als Ziele für die nächsten 2 Jahre:

  • Vorrang von Fuß, Rad und Bus
  • Investitionen in Schule und Bildung
  • faire Standards
  • bezahlbares Wohnen
  • Integration, Inklusion und Feminismus

Wo ist das 2017 plakatierte Ziel „Stadtgrün bewahren“ geblieben?

In meinem Wohnumfeld (Ostviertel) wird nach und nach Stadtgrün vernichtet, statt bewahrt. Habe ich den Aufschrei der Grünen dazu überhört?

Im oberen Ostviertel sind z.Zt. 3 Großprojekte in Planung: IWF-Gelände, Nikoweg/Ludwig-Beck-Str., Zimmermannstraße. Für alle 3 Projekte werden nicht unerhebliche Grünflächen zerstört, ganz aktuell gerade der Kahlschlag der Wohnungsgenossenschaft am Nikoweg. Ich kenne das immer wieder hervorgeholte Argument des dringend benötigten bezahlbaren Wohnraums: macht man den Investoren durch zu viele Auflagen und die Forderung niedriger Mietpreise das Leben schwer, haben diese kein Interesse zu bauen. Und wenn die Investoren kein Interesse haben zu bauen, gibt es keinen bezahlbaren Wohnraum. Aber muss das Erstellen von bezahlbarem Wohnraum unbedingt mit der Vernichtung von Grünflächen und Spielplätzen einhergehen? Bäume, Sträucher, Spielgeräte und Sandkästen müssen weichen, Garagen für Autos dürfen bleiben bzw. werden sogar noch erneuert. Für mich ist das kein nachhaltiger verantwortungsvoller Umgang mit lebensnotwendigem Stadtgrün.

Das Argument, zu viele Auflagen und Sozialbindungen würden das Bauen unbezahlbar machen, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Nehmen wir einmal das Beispiel IWF-Gelände. Ein Investor kauft es für den Preis X unter der Auflage, einen bestimmten Prozentsatz von Wohnungen für eine gewisse Zeit sozialverträglich zu vermieten. Dann vergeht im nach ein paar Jahren die Lust an dem Projekt und er verkauft 2/3 des Geländes an einen anderen Investor zum Preis X + eine nicht unerhebliche Summe unter der Auflage, die Zusagen an die Stadt bezüglich der zeitlich begrenzten Preisbindung eines Teils der Wohnungen einzuhalten. Dieser zweite Investor hat nun für einen deutlich höheren Kaufpreis ein kleineres Gelände erstanden und muss überdies alle an das Gelände gebundenen Auflagen erfüllen. Wie kann sich das rechnen? Der höhere Kaufpreis verteuert doch das Bauen erheblich. Wieso kann dieser zweite Investor dann trotzdem die Auflagen einhalten und noch Lust am Bauen haben?

Die Grünen fordern, dass die Stadt sich um ein Label bei „StadtGrün – naturnah“ bewirbt. Mit dem, was sich gerade im Ostviertel abspielt, kann die Stadt bei einem solchen Städtewettbewerb nicht gerade glänzen!

In Tübingen hat der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss gefasst, dass jeder Neubau eine Photovoltaikanlage haben muss. So mutige Politiker wünsche ich mir auch in Göttingen. Könnte der Rat der Stadt Göttingen nicht z.B. beschließen, dass jeder Neubau die Fläche, die er der Natur wegnimmt, ihr in Form von Dach-und/oder Fassadenbegrünung wieder zurückgeben muss? Oder dass erst einmal bereits versiegelte Flächen und vorhandene, ungenutzte Gebäude zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum Verwendung finden, bevor man Grünflächen und Spielplätze dafür zerstört?

Politiker, die solche Ziele verfolgen, wünsche ich mir für alle Parlamente ob Stadt, Land oder Europa. Die würde ich gerne wählen.

Ja, ja ich weiß, reine Partikularinteressen. Asche auf mein Haupt!

Mit besten Grüßen, Ursula Bartecki

Auf Sand gebaut

Heute hat man begonnen, einen der wenigen Spielplätze in unserem Quartier zu schleifen. Kaum hat der Rat der Stadt die Bitte der Anwohner, den Spielplatz zwischen Nonnenstieg und Nikolausberger Weg zu erhalten (s. Beitrag vom 5.2.2019 und https://rettet-den-spielplatz.de/stellungnahmen-und-dokumente/), „vom Tisch gewischt“, rücken auch schon die Abrissbagger an. Ein paar Kinder schaukeln und klettern schnell noch ein letztes Mal, bevor der Spielplatz und das ihn umgebende Grün gänzlich platt gemacht werden. Wo werden sie ab morgen spielen?

Auf dem ehemaligen Spielsand werden bald neue große Wohnhäuser stehen. Nachverdichtung ist das Gebot der Stunde, um den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum für Göttingen bereitzustellen. Dabei bleibt so Manches auf der Strecke, dass keine starke Lobby hat. Ob dieses Vorgehen der Stadt zukunftsträchtig, nachhaltig und der Weisheit letzter Schluss ist, wird sich noch zeigen.

„Auf Sand gebaut“ lautet auch der Titel einer Radiosendung des DLF (Freistil, 17.2.2019), in der es um Spielplätze zwischen Utopie und Dystopie geht. Hier wird das Thema Spielen, Spielplatz etc. von vielen verschiedenen Seiten interessant beleuchtet. Nachzuhören ist der Beitrag in der Mediathek des Deutschlandfunks. Nachlesen kann man ihn auch unter https://www.deutschlandfunkkultur.de/auf-sand-gebaut-der-spielplatz-zwischen-utopie-und-dystopie.media.aa3d4b5a3da2c2302b45e5193c0c3324.pdf.

 

Neue Staffel der IWF-Bau-Doku-Soap hat begonnen

Göttinger-Tageblatt-LeserInnen wissen schon länger Bescheid, für alle Anderen hier eine kurze Zusammenfassung.

Über viele Jahre haben die Stadt, Bürgerinitiativen und Investoren sich um eine gute Lösung für die Bebauung des ehemaligen IWF-Geländes bemüht. Ein Käufer und Investor hatte sich gefunden, ein Bebauungsplan wurde erstellt, ein städtebaulicher Vertrag wurde geschlossen und der dringend benötigte bezahlbare Wohnungsbau hätte eigentlich beginnen können. Hat er aber nicht. Stattdessen hat der Käufer und Investor kürzlich das Grundstück zu 2/3 weiterverkauft und damit eine Menge Unmut und Empörung hervorgerufen. Einzelheiten zu diesen Vorgängen finden Sie hier:

http://www.nonnenstieg-buergerinitiative.de/index.html#doku

1/3 des Geländes, ein unbebautes Grundstück mit altem Baumbestand, hat der ursprüngliche Käufer des Gesamtgeländes (EBR) behalten. Laut GT-Bericht sollen auf den verbliebenen Quadratmetern am oberen östlichen Rand des Grundstückes für solvente Kunden 31 neue Wohnungen mit jeweils 100 Quadratmetern Wohnfläche gebaut werden. Ein Traum! Wer sucht sie nicht, die schicke Eigentums- oder Mietwohnung im Grünen, stadtnah und mit bester Verkehrsanbindung im begehrtesten Wohnquartier von Göttingen?

Ein Sahnestück von einem Bauplatz! Hier wird wohl kaum der dringend benötigte bezahlbare Wohnraum entstehen, für den die Stadt immer wieder trommelt.

Gut gemacht EBR! Die Kunden stehen bestimmt schon Schlange…

Am morgigen Donnerstag (7.2.2019) ist im Sitzungsraum Cheltenham (118) für 16 Uhr eine Bauausschuss-Sitzung anberaumt. Dort kann man live und aus erster Hand weitere Informationen zu den 3 großen Bauvorhaben im nördlichen Ostviertel (IWF/Nonnenstieg, Nikolausberger Weg, Zimmermannstraße) bekommen. Eine rege Teilnahme würde das Interesse der BürgerInnen an den Vorgängen in Ihrem Wohnquartier unterstreichen.