Geflüchtet?

„Sag’ mir wo die Bienen sind. Wo sind sie geblieben?“ heißt es in Abwandlung eines alten Protestsongs. Ich bin viel auf dem Habichtsweg unterwegs und werde immer wieder gefragt, wo denn die Bienen seien, von denen im GT berichtet wurde. „Das weiß ich leider auch nicht, wüsste es aber zu gerne“, muss ich dann immer antworten.
Der Internetauftritt „Habichtsbiene.de“ lädt zu einem Besuch des Bienenprojekts ein. Aber es sind zur Zeit keine Habichtsbienen mehr da. Tolles Eingangstor, aber nicht genug Futter? Sommerurlaub an einem pollenreicheren Standort?


 

Naherholungsgebiet Habichtsweg

GT Artikel vom 7.7.2020

Ein Leserbrief dazu:
Keine Frage, das Bienenprojekt wertet das Naherholungsgebiet Habichtsweg deutlich auf. Dafür ist die EBR und das THG ausdrücklich zu loben. Für die EBR ist das Bienenprojekt ein Teil ihrer Initiative „Stadt der Zukunft“. Toll wäre es, wenn die EBR diese Initiative am Habichtsweg ausweiten würde. Von dem einst gekauften und kürzlich an die Wertgrund zu zwei Dritteln weiterverkauften Grundstück des ehemaligen IWF am Nonnenstieg ist noch ein dicht begrüntes Drittel mit altem Baumbestand im Besitz der EBR. Auf den verkauften zwei Dritteln sollen 214 Wohnungen gebaut werden. Das sind mehr Wohnungen als bisher auf dem gesamten Grundstück geplant waren. So könnte das letzte Drittel jetzt grün bleiben, ohne dass bei der Anzahl neuer Wohnungen ein Abstrich gemacht werden müsste. Das wäre eine noble Geste der EBR und ein riesiger Beitrag für die Erhaltung einer wichtigen grünen Lunge im Osten der Stadt.

Das obere Ostviertel hat durch den Kitaneubau (Planung durch die EBR) am Habichtsweg, die Wohnungsgenossenschaftsbauten am Nikolausbergerweg und die zukünftige Baustelle an der Zimmermannstraße (Planung durch die EBR) viel Grünfläche verloren. Da könnte man jetzt doch zeigen, dass man es wirklich ernst meint mit dem Umwelt- und Naturschutz und einer gesunden Zukunft der Stadt Göttingen, indem man des letzte Drittel des IWF-Geländes in das Naherholungsgebiet Habichtsweg eingliedert und keine weiteren Bäume fällt und Sträucher ausreißt. Der Schaden durch die Vernichtung von über Jahrzehnte gewachsener Pflanzengemeinschaften lässt sich nicht einfach durch Kompensationsflächen irgendwo in Rohringen wieder gutmachen. Die Aufwertung einer bereits vorhandenen Grünfläche in Rohringen ist z.B. für die Abkühlung und Reinigung der Luft in der heißen Jahreszeit im Ostviertel nur sehr bedingt tauglich. Zumal die Realisierung solcher Kompensationen  manchmal erst nach Jahren oder überhaupt nicht stattfinden.

Der Gedanke, keine weiteren Grünflächen zu Bauzwecken zu vernichten und stattdessen bereits versiegelte Flächen umzunutzen oder besser zu nutzen z. B. durch Aufstockung, ist nicht neu. Er wird nur nicht schnell und konsequent genug umgesetzt.

Gerade eine Stadt wie Göttingen, die mit dem Slogan „die Stadt die Wissen schafft“ wirbt, sollte dieses Wissen auch in Praxis umsetzen und ihren Titel als zweitgrünste Stadt Deutschlands nicht aufs Spiel setzen. Wie das geht, machen Projekte in anderen Städten vor. Näheres dazu in vielen Publikationen und Blogs. Hier eine kleine Auswahl:

Conrad Amber, Bäume auf die Dächer, Wälder in die Stadt, Kosmos 2017

Clemens G. Arvay, Biophilia in der Stadt, Goldmann 2018

Daniel Fuhrhop, Verbietet das Bauen, eine Streitschrift gegen Spekulation, Abriss, und Flächenfraß, Oekom 2020

Blog gegen die Bauwut: verbietet-das-bauen.de

Deshalb jetzt ein Apell an das grüne Gewissen der EBR: bitte kein weiterer Grünflächenfraß am Habichtsweg! „Eigentum verpflichtet“ heißt es so schön im Grundgesetz. Damit ist nicht gemeint, dass ein Grundstück unbedingt finanziell gewinnbringend ausgenutzt werden muss. Das Ziel, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, lässt sich gewiss an anderen Stellen in der Stadt umwelt- und sozialverträglicher umsetzen. Mit Phantasie, guten Ideen und gutem Willen geht das mit Sicherheit, wenn man es mit der Stadt der Zukunft wirklich ernst meint.

Die Stadt Göttingen könnte mit der Erhaltung dieser grünen Oase ein Zeichen setzen und der EBR ein Ersatzgrundstück zur Verfügung stellen, auf dem der viel zitierte dringend benötigte bezahlbare Wohnraum geschaffen werden kann ohne vorhergehenden Raubbau an der Natur.

 

 

 

Neue Unterart entdeckt!

Große Überraschung. Offensichtlich wurde am Habichtsweg eine neue Unterart der Honigbiene entdeckt: Apis mellifica accipiter, zu Deutsch die Habichtsbiene.

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Das Portal „www.habichtsbiene.de“ war heute allerdings noch nicht sehr gesprächig:

 

Sicherlich gibt es dort bald nähere Informationen.
Das Kind hat nun also einen Namen. Was ich bisher für ein Projekt des Theodor Heuss Gymnasiums (THG) gehalten hatte, ist also ein Projekt der EBR (in vielen vorhergehenden Beiträgen schon erwähnt) in Kooperation mit dem THG.

Der soziale Wohnungsbau liegt dem Unternehmen offensichtlich am Herzen. Hoffentlich auch bald auf der anderen Seite des Habichtswegs, wo die EBR Ländereien besitzt, die demnächst bebaut werden sollen. Nur schade, dass dann weitere Grünflächen dafür geopfert werden müssen. Aber die Habichtsbienen haben ja jetzt ihr eigenes Areal…

 

Mit viel Getöse…

… wurde heute endlich das Ende der Bauphase am Habichtsweg/Ecke Goerdelerweg eingeleitet: die hässliche Asphaltdecke, die für die Baufahrzeuge aufgelegt wurde, wird wieder entfernt. Dann muss nur noch die Lücke in der Seitenbepflanzung geschlossen werden und der Absperrpfosten wieder her. Dann kann der Habichtsweg wieder aufatmen.